Einleitung

Wir möchten während der Afrika-Wochen fernab (post-)kolonialer Exotik der Vielfalt afrikanischer Kunst- und Lebenswelten, wie sie vor Ort - in der afrikanischen Diaspora Berlins - begegnet, gerecht werden: Afrika besteht aus mehr als 40 Staaten, und neben den Sprachen der einstigen Kolonialmächte (Englisch, Französisch, Portugiesisch, Italienisch) sowie dem Arabischen sind eine Vielzahl von Regionalsprachen in Gebrauch. Darüber hinaus schließt der Begriff "Afrika" diejenigen ein, die als Afro-Deutsche, Black Americans, Black Latinos etc. mehr ideell als biographisch mit dem afrikanischen Kontinent verbunden sind und sich dementsprechend in ganz anderen persönlichen wie geistigen Netzwerken bewegen. Kurzum: Der Chor der Menschen, die "afrikanisch" aussehen, ist vielstimmig, und dem aufmerksamen Zuhörer werden Dissonanzen nicht entgehen. Gleichwohl möchten wir während der Afrika-Wochen gerade dieser Vielstimmigkeit "Afrikas" Gehör verschaffen.

Etikettierungen wie "afrikanisch", "Black American", "afro-deutsch" verdanken sich exotisierender Fremd- und Selbstwahrnehmung: Mit ihnen werden Grenzen gezogen, nicht Brücken gebaut. Bei der Begegnung mit Kunstwerken und mit Menschen werden solche Etikettierungen bisweilen zu Hindernissen, die den Blick verstellen. Ebenso hinderlich freilich sind falsche Brückenschläge, die nur der ideologischen oder wirtschaftlichen Vereinnahmung dienen. Wir möchten mit diesen Afrika-Wochen zum Gespräch und zur Begegnung einladen. Nur durch direkte Erfahrung lässt sich herausfinden, welche Brücke wirklich trägt, welche Grenze unüberwindbar ist - und welche Brücken in Zukunft erst noch zu bauen sind. Jede Begegnung setzt einen Lernprozess in Gang, für beide Seiten, und nicht den anderen lerne ich in erster Linie besser kennen dabei, sondern mich selbst.